Treasury und Asset Liability Management
ALM - seit 150 Jahren brandaktuell
ALM, in Deutschland oft auch APS (Aktiv-Passiv-Steuerung) genannt, gilt manchmal als langweiliges Themengebiet. Ursache ist sicher die lange Tradition im Bankensektor durch die bereits im vorletzten Jahrhundert begründeten theoretischen Grundsätze:
- 1854: Die Goldene Bankregel von Otto Hübner (Aktiva und Passiva sollen keine Fristeninkongruenzen aufweisen)
- 1857: Bodensatztheorie von Adolph Wagner (Differenz zwischen Fälligkeit und Kündigung einer Einlage)
- 1879: Realisations-Theorie von Carl Knies (Nutzung liquidierbarer Aktiva zur Begleichung von fälligen Verbindlichkeiten), heute nach Moulton (1918) meist als Shiftability-Theorie bekannt
Trotz der langjährigen Tradition des ALM gibt es immer noch Herausforderungen bei der adäquaten Umsetzung in der Praxis, aber auch in den eingesetzten Methoden: Neue wirtschaftliche Rahmenbedingungen müssen adaptiert werden, neue, innovative Produkte, über deren Verhalten am Markt teilweise noch keine ausreichenden Erfahrungen bestehen, müssen integriert werden. Die jüngste Sub Prime Krise hat gezeigt, dass auch nach 150 Jahren noch Entwicklungsbedarf im ALM besteht.
ALM - integrativer Bestandteil der Gesamtbanksteuerung
Unter dem Begriff ALM vereinigt man grundlegende Aspekte des Bankmanagements:
- Zinsänderungsrisiko und Zinsertragssteuerung
- Liquiditätsrisiko und Minimierung der Liquiditätskosten
- Funds Transfer Pricing (FTP) bzw. Marktzinsmethode
Ein adäquates Asset Liability Management erfordert daher stets eine bankübergreifende Sichtweise. Dabei ist jedoch nicht nur (wie der Name vermuten lässt) die gesamte Bilanz einzubeziehen, auch die Betrachtung sämtlicher außerbilanzieller Positionen ist von immanenter Bedeutung.
Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Abbildung und Zusammenführung sämtlicher Geschäfte einer Bank in einer einheitlichen Architektur (sowohl methodisch als auch systemtechnisch) dar. Insofern ist im Bereich Asset Liability Management bereits diejenige integrierte Sichtweise inhärent, die auch für die Zwecke einer Gesamtbanksteuerung von essentieller Bedeutung ist.
ALM - auch ein Industrieproblem
Traditionell findet ALM seine stärkste Verbreitung im Banken- und Versicherungssektor. In den letzten Jahren hat sich jedoch gezeigt, dass die Themen des ALM auch für Unternehmen eine immer größere Bedeutung haben. Der Fokus liegt dabei bislang insbesondere auf dem Zins- und Währungsrisikomanagement, wobei auch der Definition einer angemessenen Liquiditätsreserve mehr und mehr Beachtung geschenkt wird.
In international operierenden Unternehmen ist dabei vor allem ein sinnvolles Cash-Pooling eine zentrale Bedingung für den Aufbau eines erfolgreichen Asset Liability Managements.
Die Herausforderung besteht darin, die im Finanzsektor bereits wohlbekannten und erprobten Methoden für Industrieunternehmen sinnvoll zu adaptieren. Die Notwendigkeit dazu ergibt sich aus grundsätzlich anders gelagerten Bilanzstrukturen und Steuerungsansätzen. So besteht die Aktivseite der Bank im Wesentlichen aus klar definierten Produkten (mit im Prinzip kalkulierbarem Verhalten), wohingegen bei Industrieunternehmen langfristige und schwerer berechenbare Investitionen in Produktionsanlagen dominieren.
ALM - aktuelle Entwicklungen
Aufgrund der aktuellen Gegebenheiten an den Kapitalmärkten konzentriert sich die Aufmerksamkeit derzeit stark auf das Liquiditätsrisiko. Vor allem die Interaktionen zwischen Refinanzierungs- und Marktliquiditätsrisiko stehen im Fokus.
Bereits Anfang 2007 trat die neue Liquiditätsverordnung (LiqV) für Banken in Kraft, die den Instituten insbesondere erlaubt, interne Modelle zur aufsichtsrechtlichen Meldung zu verwenden und damit interne und externe Steuerung des Liquiditätsrisikos zu vereinheitlichen.
Anfang 2008 wurden mehrere Studien im Liquiditätsrisikobereich veröffentlicht. Diese Aktivitäten unterstreichen insbesondere die fortgesetzte Aufmerksamkeit aller Beteiligten, so dass in den nächsten Jahren weiterhin eine starke Dynamik spürbar sein wird.
ALM - was wir für Sie tun können
Wie fortschrittlich ist Ihr Asset Liability Management? Welche Stressszenarien sind zu betrachten? Werden Neugeschäftseffekte und Kundenverhalten dynamisch berücksichtigt? Wie hoch ist die nötige Liquiditätsreserve für Ihr Institut?
Klären Sie alle diese Fragen gemeinsam mit unseren Experten. Durch unsere umfangreichen Erfahrungen im Bereich des Treasury und ALM der Banken, Versicherungen, Fonds und Industrieunternehmen bieten wir Ihnen:
- Quick Check Ihrer Modelle und Prozesse durch erfahrene Experten
- Konzeption von Modellen zur internen Steuerung und zur regulatorischen Meldung
- Auswahl einer geeigneten Software für Analyse und Reporting
- Realisierung der Modelle in Ihrer Systemarchitektur
- Aufbau eines integrierten Reportings
Profitieren Sie von unseren langjährigen Erfahrungen im Treasury und Asset Liability Management!
Für ausführliche Informationen zu unserem Vorgehen und unseren Referenzen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Ihr Ansprechpartner:
Dr. Oliver Hein
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